Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Prozedur

OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel)

Der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung medizinischer Prozeduren in der stationären und ambulanten Versorgung in Deutschland. Er wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben, das seit dem 1. Mai 2020 die Aufgaben des früheren Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) übernommen hat. Der OPS wird jährlich aktualisiert und bildet gemeinsam mit der ICD-10-GM die Grundlage für die Abrechnung nach dem aG-DRG-System. Seit dem 1. Januar 2026 ist die OPS-Version 2026 anzuwenden (BfArM, OPS 2026).

Aufbau und Struktur

Der OPS gliedert sich in sechs Kapitel, die durch die Ziffern 1, 3, 5, 6, 8 und 9 gekennzeichnet sind: Kapitel 1 (diagnostische Maßnahmen), Kapitel 3 (bildgebende Diagnostik), Kapitel 5 (Operationen), Kapitel 6 (Medikamente), Kapitel 8 (nichtoperative therapeutische Maßnahmen) und Kapitel 9 (ergänzende Maßnahmen). Die Kodes sind alphanumerisch strukturiert: Der einleitende Buchstabe oder die erste Ziffer bezeichnet das Kapitel, gefolgt von weiteren Stellen für Gruppe, Untergruppe und Detailebene. Die Gesamtlänge eines OPS-Kodes kann je nach Spezifizierungstiefe bis zu sieben Stellen umfassen – nicht fünf, wie frühere Fassungen des Schlüssels nahegelegt haben. Der Kode 5-470.10 beispielsweise bezeichnet eine laparoskopische Appendektomie ohne Komplikationen, der Kode 8-980.0 die intensivmedizinische Komplexbehandlung mit 184 bis 275 Aufwandspunkten.

Anwendungspflicht und Rechtsgrundlagen

Im stationären Bereich ist der OPS verpflichtender Bestandteil des Datensatzes nach § 301 SGB V und der Datenlieferung nach § 21 KHEntgG. Kodierfachkräfte und Ärzte müssen bei der Verschlüsselung die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) in der jeweils gültigen Fassung berücksichtigen. Im ambulanten Bereich kommt der OPS für die Abrechnung ambulanter Operationen nach § 115b SGB V sowie für Hybrid-DRG-Leistungen nach § 115f SGB V zum Einsatz.

Bedeutung im DRG-Gruppierungsprozess

Der Grouper-Algorithmus verarbeitet OPS-Kodes gemeinsam mit den ICD-10-GM-Diagnosen. Operative Partitionen einer Basis-DRG werden ausschließlich auf Basis im Definitionshandbuch definierter OPS-Kodes gebildet. Fehlt ein operativer OPS-Kode, fällt ein chirurgisch behandelter Fall in die medizinische Partition – mit entsprechend niedrigerer Bewertungsrelation und direktem Erlösverlust. Bestimmte OPS-Kodes für Komplexbehandlungen sind mit Strukturmerkmalen verknüpft, die vorab durch den Medizinischen Dienst nach § 275d SGB V geprüft werden müssen.

Ein konkretes Beispiel: Wird eine Knieendoprothese durchgeführt, aber der OPS-Kode 5-822.x für die Implantation einer Knietotalendoprothese vergessen, fällt der Fall in die medizinische Partition der Basis-DRG für Erkrankungen des Kniegelenks statt in die hochbewertete operative Partition. Der Erlösunterschied kann mehrere tausend Euro betragen.

Das PKM vermittelt die praktische Anwendung des OPS, aktuelle Änderungen und abrechnungsrelevante Kodierkonstellationen in der Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK), im DRG-Update sowie in allen fachspezifischen E-Learnings.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen OPS und ICD-10-GM?

Die ICD-10-GM klassifiziert Diagnosen – also Erkrankungen, Verletzungen und Symptome des Patienten. Der OPS klassifiziert Prozeduren – also was therapeutisch oder diagnostisch unternommen wurde. Beide Klassifikationen werden gemeinsam kodiert und an den Grouper übergeben, der daraus die DRG-Zuordnung ermittelt. Ohne vollständige OPS-Kodierung kann die klinische Behandlungsrealität im DRG-System nicht korrekt abgebildet werden.

Woher stammt der OPS ursprünglich?

Der OPS ist eine deutsche Weiterentwicklung auf Basis der internationalen Classification of Health Interventions (ICHI) der WHO. Er wurde jedoch so umfassend für die spezifischen Anforderungen des deutschen DRG-Systems adaptiert, dass er heute weitgehend eigenständig ist. International ist er nicht direkt mit anderen Prozedurenklassifikationen wie dem amerikanischen CPT-Code-System kompatibel.

Was passiert, wenn ein OPS-Kode im Folgejahr gestrichen wird?

Gestrichene Kodes führen im Grouper zur Fehlerausgabe oder zur Eingruppierung in eine Fehler-DRG, wenn sie weiterhin verwendet werden. Krankenhäuser müssen die jährlichen OPS-Anpassungen und Migrationstabellen des BfArM konsequent in ihre Kodiersoftware einspielen und intern kommunizieren, um Abrechnungsfehler zu vermeiden.

Quellenverzeichnis

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) Version 2026 – Systematisches Verzeichnis. bfarm.de. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/OPS/_node.html

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 301 SGB V – Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__301.html

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 21 KHEntgG – Übermittlung und Nutzung von Daten. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/khentgg/__21.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM