Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

ICD-10-GM

ICD-10-GM

Die ICD-10-GM (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Sie wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben, jährlich aktualisiert und bildet zusammen mit dem Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) die Grundlage für die Entgeltsysteme in der ambulanten und stationären Versorgung (BfArM, ICD-10-GM Version 2026).

Aufbau und Herkunft

Die ICD-10-GM ist eine Adaption der internationalen ICD-10-WHO, der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems" der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Ziffer 10 bezeichnet die 10. Revision der Klassifikation; GM steht für German Modification und kennzeichnet die an die Anforderungen des deutschen Gesundheitswesens angepasste Fassung. Bis 2003 wurde die ICD-10-GM in Deutschland als ICD-10-SGB-V bezeichnet.

Die Klassifikation ist alphanumerisch aufgebaut: Ein Buchstabe und zwei Ziffern bilden den dreistelligen Grundkode (z. B. I21 für akuten Myokardinfarkt), der durch weitere Stellen auf vier- oder fünfstellige Kodes präzisiert werden kann. Das Systematische Verzeichnis gliedert alle Diagnosen in 22 Kapitel, beginnend mit Kapitel I (bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten, A00–B99) bis Kapitel XXII (Schlüsselnummern für besondere Zwecke, U00–U99). Das Alphabetische Verzeichnis mit umfangreichen Krankheitsbezeichnungen und Synonymen erleichtert die Kodierung im Praxisalltag.

Anwendungspflicht und Rechtgrundlagen

Diagnosen müssen im ambulanten und stationären Bereich nach der ICD-10-GM verschlüsselt werden. Die Rechtsgrundlagen variieren je nach Versorgungsbereich: Im stationären Sektor ist die ICD-10-GM verpflichtender Bestandteil des Datensatzes nach § 301 SGB V und der Daten nach § 21 KHEntgG. Im vertragsärztlichen Bereich schreibt § 295 SGB V die Verschlüsselung nach ICD-10-GM vor. Ärztinnen und Ärzte sowie Dokumentationsfachkräfte in Krankenhäusern sind verpflichtet, die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) in der jeweils gültigen Fassung bei der Kodierung zu berücksichtigen.

Jährliche Aktualisierung und aktuelle Version

Das BfArM veröffentlicht die ICD-10-GM jährlich im Herbst für das folgende Kalenderjahr. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Version 2026 anzuwenden. In die Version 2026 flossen 53 Vorschläge ein, die überwiegend von medizinischen Fachgesellschaften, Ärzteschaft, Krankenkassen und Kliniken eingebracht wurden. Wichtige inhaltliche Änderungen betrafen unter anderem neue Kodes für Folgezustände der Influenza und der infektiösen Mononukleose sowie Präzisierungen beim chronischen Fatigue-Syndrom und beim präsymptomatischen Diabetes mellitus. Das Vorschlagsverfahren steht allen am Gesundheitswesen Beteiligten offen und ermöglicht es, Anpassungsbedarf beim BfArM einzureichen.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Eine Patientin wird wegen einer Herzinsuffizienz mit systolischer Dysfunktion behandelt. Die korrekte ICD-10-GM-Kodierung lautet I50.01 (Herzinsuffizienz, systolisch, akut). Dieser Kode beeinflusst über seinen CCL-Wert und den PCCL-Mechanismus die DRG-Zuordnung erheblich. Wird stattdessen nur I50.9 (Herzinsuffizienz, nicht näher bezeichnet) kodiert, geht diese Schweregradrelevanz verloren.

Das PKM bietet mit der Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK) und dem DRG-Update praxisnahe Schulungen zur korrekten ICD-10-GM-Kodierung und den Änderungen der aktuellen Version.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen ICD-10-GM und ICD-10-WHO?

Die ICD-10-WHO ist die internationale Originalklassifikation der WHO und dient weltweit der Gesundheitsstatistik. Die ICD-10-GM ist die deutsche Modifikation dieser Klassifikation: Sie enthält zusätzliche oder präzisierte Kodes, die auf die Anforderungen des deutschen Entgeltsystems, der DRG-Kalkulation und der deutschen Gesundheitsversorgung zugeschnitten sind. ICD-10-GM-Kodes sind nicht immer mit ICD-10-WHO-Kodes identisch.

Gilt die ICD-10-GM auch für Privatpatienten?

Ja. Die ICD-10-GM wird für alle Patienten verwendet, unabhängig vom Versicherungsstatus. Krankenhäuser kodieren alle stationären Behandlungsfälle nach ICD-10-GM, weil sie sowohl für die GKV-Abrechnung über § 301 SGB V als auch für die Datenlieferung nach § 21 KHEntgG verpflichtend ist. Bei privatärztlicher Abrechnung nach GOÄ besteht keine gesetzliche Kodierungspflicht nach ICD-10-GM, jedoch nutzen viele Krankenhäuser die Kodierung intern für Qualitätssicherung und Controlling.

Was passiert, wenn die ICD-10-GM durch ICD-11 abgelöst wird?

Die WHO hat die 11. Revision der ICD (ICD-11) 2019 verabschiedet. Das BfArM plant den Übergang auf ICD-11 in Deutschland, hat aber noch keine verbindlichen Einführungstermine festgelegt. Bis zur Einführung der ICD-11-GM bleibt die ICD-10-GM die verbindliche Klassifikation für Deutschland.

Quellenverzeichnis

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025, September). ICD-10-GM Version 2026 – Endgültige Fassung. bfarm.de. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-GM/_node.html

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). ICD-10-GM 2026 – Systematisches Verzeichnis. klassifikationen.bfarm.de. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/index.htm

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 295 SGB V – Abrechnung ärztlicher Leistungen. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__295.html

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 301 SGB V – Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__301.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM