Glossar
OPS - Operationen- und Prozedurenschlüssel
OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel)
Der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung medizinischer Prozeduren in der stationären und ambulanten Versorgung in Deutschland. Er wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben, jährlich aktualisiert und bildet gemeinsam mit der ICD-10-GM die Grundlage für die Abrechnung nach dem aG-DRG-System. Seit dem 1. Januar 2026 ist die OPS-Version 2026 anzuwenden (BfArM, OPS 2026).
Aufbau und Inhalt
Der OPS gliedert sich in sechs Kapitel. Kapitel 1 umfasst diagnostische Maßnahmen, Kapitel 3 bildgebende Diagnostik, Kapitel 5 Operationen, Kapitel 6 Medikamente, Kapitel 8 nichtoperative therapeutische Maßnahmen und Kapitel 9 ergänzende Maßnahmen. Die Kodes sind alphanumerisch aufgebaut: Ein Buchstabe (1, 3, 5, 6, 8 oder 9) kennzeichnet das Kapitel, gefolgt von drei Ziffern für die Basisgruppe, einem Punkt und weiteren Stellen für die Detailebene. Der Kode 5-470.10 beispielsweise bezeichnet eine laparoskopische Appendektomie ohne Komplikationen.
Der OPS enthält neben operativen Eingriffen auch Kodes für Komplexbehandlungen (z. B. intensivmedizinische Komplexbehandlung nach OPS 8-980), für die Beatmungsdauer (OPS 8-70x.x), für Medikamentengaben hochwertiger Arzneimittel (Kapitel 6) und für strukturelle Leistungsmerkmale wie multimodale Schmerztherapie. Diese Strukturmerkmal-Kodes sind besonders erlösrelevant, da sie häufig Voraussetzung für die Zuordnung zu höherwertigen DRGs sind und im Rahmen von Strukturprüfungen nach § 275d SGB V vorab durch den Medizinischen Dienst geprüft werden müssen.
Anwendungspflicht und Rechtsgrundlagen
Im stationären Bereich ist der OPS verpflichtender Bestandteil des Datensatzes nach § 301 SGB V und der Datenlieferung nach § 21 KHEntgG. Kodierfachkräfte und Ärzte sind verpflichtet, bei der OPS-Verschlüsselung die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) in der jeweils gültigen Fassung zu berücksichtigen. Im ambulanten Bereich wird der OPS nach § 295 SGB V für die Abrechnung ambulanter Operationen nach § 115b SGB V sowie für Hybrid-DRG-Leistungen nach § 115f SGB V verwendet.
Bedeutung im DRG-Gruppierungsprozess
Im Grouper-Algorithmus des aG-DRG-Systems fließen OPS-Kodes gemeinsam mit den ICD-10-GM-Diagnosen in die DRG-Zuordnung ein. Operative Partitionen einer Basis-DRG (gekennzeichnet mit dem Buchstaben O) werden ausschließlich auf Basis einschlägiger OPS-Kodes gebildet. Das Definitionshandbuch des InEK weist für jede Basis-DRG aus, welche OPS-Kodes die operative Partition definieren. Ein fehlendes oder falsch kodierter OPS-Kode kann dazu führen, dass ein operierter Fall in die medizinische statt in die operative Partition fällt, was in der Regel mit einer deutlich niedrigeren Bewertungsrelation verbunden ist.
Ein konkretes Beispiel: Ein Patient erhält eine minimalinvasive Mitralklappen-Rekonstruktion. Wird der zutreffende OPS-Kode 5-351.11 (Valvuloplastik der Mitralklappe, endoskopisch) korrekt kodiert, wird der Fall in eine hochbewertete operative DRG gruppiert. Wird der Kode vergessen und nur die Hauptdiagnose I34.0 (Mitralklappenstenose) kodiert, fällt der Fall in die medizinische Partition der Basis-DRG mit erheblich niedrigerer Vergütung.
Das PKM vermittelt den praktischen Umgang mit dem OPS, seiner Systematik und den abrechnungsrelevanten Kodierkonstellationen in der Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK) sowie in allen fachspezifischen E-Learnings, etwa Kodierung Kardiologie oder Kodierung Intensivmedizin.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen ICD-10-GM und OPS?
Die ICD-10-GM klassifiziert Diagnosen – also den Gesundheitszustand des Patienten, seine Erkrankungen und Symptome. Der OPS klassifiziert Prozeduren – also was im Rahmen der Behandlung diagnostisch oder therapeutisch unternommen wurde. Beide Klassifikationen werden gemeinsam kodiert und gemeinsam an den Grouper übergeben, der daraus die DRG-Zuordnung ermittelt.
Wie unterscheidet sich der OPS vom CPT-Code-System anderer Länder?
Der OPS ist eine deutsche Eigenentwicklung auf Basis der WHO-ICHI-Systematik, die für die Anforderungen des deutschen DRG-Systems optimiert wurde. Amerikanische CPT-Codes (Current Procedural Terminology) sind nach einer grundlegend anderen Logik aufgebaut und für ein anderes Vergütungssystem konzipiert. Beide Systeme sind nicht kompatibel; internationale Vergleiche erfordern aufwändige Mappings.
Kann ein Krankenhaus eigene OPS-Kodes verwenden, wenn ein Verfahren noch nicht im OPS abgebildet ist?
Nein. Es dürfen ausschließlich offiziell im OPS enthaltene Kodes verwendet werden. Ist ein neues Verfahren noch nicht abgebildet, stehen zwei Wege offen: Der Hersteller oder das Krankenhaus reicht einen Vorschlag beim BfArM für die nächste OPS-Version ein, oder das Verfahren wird über das NUB-Verfahren nach § 6 Abs. 2 KHEntgG als krankenhausindividuelles Zusatzentgelt vergütet, bis ein OPS-Kode verfügbar ist.
Quellenverzeichnis
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) Version 2026 – Systematisches Verzeichnis. bfarm.de. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/OPS/_node.html
Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 301 SGB V – Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__301.html
Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 21 KHEntgG – Übermittlung und Nutzung von Daten. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/khentgg/__21.html
Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM
