Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Kodierfachkraft

Kodierfachkraft

Eine Kodierfachkraft ist eine medizinische Dokumentationsfachkraft, die auf die fallbezogene Verschlüsselung von Diagnosen nach ICD-10-GM und Prozeduren nach OPS sowie die Einpflege der Abrechnungsdaten nach § 301 SGB V spezialisiert ist. Ihre Kodierarbeit bildet die Grundlage für die DRG-Gruppierung und damit unmittelbar für den Erlös des Krankenhauses: Vollständige, korrekte Kodierung sichert den erzielbaren Vergütungsbetrag, fehlerhafte Kodierung führt zu Erlösverlusten oder zu Rückforderungen durch den Medizinischen Dienst (MD).

Aufgaben und Arbeitsgrundlagen

Kodierfachkräfte analysieren nach Entlassung eines Patienten die Krankenakte, Arztbriefe, Operationsberichte, Pflegedokumentation und Laborbefunde, um alle abrechnungsrelevanten Diagnosen und Prozeduren zu identifizieren. Grundlage ihrer Arbeit sind die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR), die jährlich vom InEK und der DKG herausgegeben werden. Die DKR legen verbindlich fest, welche Diagnose als Hauptdiagnose zu kodieren ist, welche Nebendiagnosen abrechnungsrelevant sind und wie besondere Kodierkonstellationen – etwa bei Beatmung, Sepsis oder Folgezuständen – zu handhaben sind.

Der kodierte Datensatz wird von einem zertifizierten Grouper-Programm verarbeitet, das auf Basis der ICD-10-GM- und OPS-Kodes eine DRG zuordnet. Die DRG bestimmt über die Bewertungsrelation und den Basisfallwert den Zahlbetrag, den die Krankenkasse schuldet. Fehlende oder fehlerhafte Nebendiagnosen können dazu führen, dass ein Fall einen niedrigeren CCL-Wert und damit einen geringeren PCCL erzielt, was die DRG-Zuordnung und den Erlös direkt beeinflusst.

Zusammenarbeit im Krankenhaus

Kodierfachkräfte arbeiten eng mit Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal zusammen, um Unklarheiten in der Dokumentation zu klären und fehlende Angaben nachzuerheben. Sie sind häufig im Medizincontrolling oder in der Medizinischen Dokumentation des Krankenhauses angesiedelt und unterstützen bei MD-Anfragen die Aufbereitung der medizinischen Unterlagen. Im Rahmen von Qualitätssicherungsmaßnahmen führen sie interne Kodieraudits durch und entwickeln Kodierstandards für spezifische Fachabteilungen.

Seit der Einführung des aG-DRG-Systems hat sich die Berufsgruppe der Kodierfachkräfte in deutschen Krankenhäusern stark professionalisiert. Standardisierte IHK-Weiterbildungen haben die Qualifikation vereinheitlicht und die Bedeutung der Rolle im Krankenhaus erheblich gestärkt.

Das PKM bietet mit der Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK) – Kompakt, dem berufsbegleitenden Format und dem Intensivkurs drei Wege zur IHK-zertifizierten Qualifikation an. Für Quereinsteiger ohne medizinische Vorkenntnisse empfiehlt sich ergänzend das E-Learning Medizinische Grundlagen für Einsteiger.

FAQ

Welche Vorkenntnisse sind für den Einstieg als Kodierfachkraft erforderlich?

Ein medizinischer Ausbildungshintergrund – etwa als MFA, Pflegefachkraft oder medizinische Dokumentationsassistentin – erleichtert den Einstieg erheblich, ist aber nicht zwingend vorausgesetzt. Quereinsteiger aus anderen Berufsfeldern können fehlende medizinische Grundkenntnisse gezielt in E-Learning-Formaten nachholen. Entscheidend sind analytisches Denkvermögen, Sorgfalt und die Bereitschaft, sich kontinuierlich mit jährlich aktualisierten Katalogen und Kodierrichtlinien auseinanderzusetzen.

Wie unterscheidet sich die Arbeit einer Kodierfachkraft von der eines Medizincontrollers?

Die Kodierfachkraft kodiert den Einzelfall auf Basis der DKR. Der Medizincontroller hat eine übergeordnete Funktion: Er analysiert das Leistungsportfolio des Krankenhauses, steuert den Case-Mix, führt MD-Verfahren, bereitet Budgetverhandlungen vor und entwickelt Erlössicherungsstrategien. In der Praxis überlappen beide Aufgabenfelder, besonders bei der Fallprüfung und MD-Kommunikation.

Wie wirkt sich die jährliche Aktualisierung von ICD-10-GM und OPS auf die Arbeit aus?

Zum 1. Januar jeden Jahres treten neue Versionen von ICD-10-GM, OPS und DKR in Kraft. Kodierfachkräfte müssen die Änderungen kennen, da neue Kodes, gestrichene Kodes und geänderte Kodierregeln die DRG-Zuordnung beeinflussen können. Das PKM bereitet diese Änderungen jährlich im DRG-Update 2026 auf.

Quellenverzeichnis

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) & Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). (2025, 20. November). Deutsche Kodierrichtlinien Version 2026. g-drg.de. https://www.g-drg.de/content/download/17438/file/Deutsche_Kodierrichtlinien_Version_2026_251120.pdf

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). ICD-10-GM Version 2026. klassifikationen.bfarm.de. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/index.htm

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 301 SGB V – Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__301.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM