Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

CCL – Complication or Comorbidity-level

CCL-Wert (Complication or Comorbidity Level)

Der CCL-Wert (Complication or Comorbidity Level, deutsch: Komplikations- oder Komorbiditätslevel) bezeichnet den fallgruppenspezifischen Schweregradwert, der jedem ICD-10-GM-Kode als Nebendiagnose im aG-DRG-System zugewiesen ist. Er bildet ab, wie stark eine bestimmte Begleiterkrankung oder Komplikation den Behandlungsaufwand eines Falles steigert, und fließt über den PCCL-Mechanismus in die Schweregradbestimmung und damit in die DRG-Zuordnung ein. Die Definitionen und CCL-Zuweisungen werden jährlich vom InEK im Definitionshandbuch veröffentlicht (InEK, Definitionshandbuch aG-DRG 2026).

Skalierung und Bedeutung

Der CCL-Wert kann, abhängig von der jeweiligen Basis-DRG, Werte zwischen 0 und 4 annehmen. CCL 0 bedeutet, dass die Nebendiagnose keinen zusätzlichen Behandlungsaufwand verursacht und damit keine Schweregradrelevanz hat. CCL 1 steht für eine leichte Komplikation oder Komorbidität, CCL 2 für eine mittlere, CCL 3 für eine schwere und CCL 4 für eine sehr schwere Begleiterkrankung oder Komplikation.

Entscheidend ist, dass der CCL-Wert eines ICD-Kodes nicht absolut festgelegt ist, sondern fallgruppenspezifisch variiert. Derselbe Kode kann in einer Basis-DRG den Wert 3 haben und in einer anderen den Wert 1 oder 0. Das InEK berechnet die CCL-Werte auf Basis der Kostendaten der Kalkulationsstichprobe: Je stärker eine Nebendiagnose die Kosten innerhalb einer Basis-DRG erhöht, desto höher ist ihr CCL-Wert in dieser Gruppe.

Zusammenhang mit dem PCCL

Der CCL-Wert einer einzelnen Nebendiagnose beeinflusst die DRG-Zuordnung nicht direkt, sondern über den PCCL (Patient Clinical Complexity Level). Der Grouper berechnet den PCCL als aggregierten Schweregradwert aller dokumentierten Nebendiagnosen eines Falls. Dabei werden die einzelnen CCL-Werte nicht einfach addiert, sondern nach einer mathematischen Formel zusammengeführt, die eine Übergewichtung einzelner hoher Werte verhindert. Der resultierende PCCL-Gesamtwert (0 bis 4) bestimmt dann, welchem Schweregrad einer Basis-DRG der Fall zugeordnet wird, also ob ein Fall beispielsweise in DRG F62A (höchster Schweregrad) oder F62C (niedrigerer Schweregrad) landet.

Ein konkretes Beispiel: Ein Patient wird wegen einer Herzinsuffizienz behandelt (Hauptdiagnose I50.13). Als Nebendiagnosen liegen vor: Typ-2-Diabetes mellitus ohne Komplikationen (E11.90, CCL 1 in dieser Basis-DRG) und eine dialysepflichtige chronische Niereninsuffizienz (N18.5, CCL 3). Die Aggregation beider CCL-Werte über die PCCL-Formel ergibt einen Gesamt-PCCL von 3, der die Zuordnung zur DRG F62A (höchste Bewertungsrelation) ermöglicht. Fehlte die korrekt kodierte Niereninsuffizienz, würde der PCCL auf 1 sinken und der Fall in die deutlich niedriger bewertete DRG F62C fallen.

Wer die Zusammenhänge zwischen CCL, PCCL und DRG-Zuordnung in der Praxis vertiefen möchte, findet beim PKM die Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK) sowie das E-Learning DRG-Grundlagen für Ärzte, das beide Mechanismen praxisnah erklärt.

FAQ

Warum ist der CCL-Wert eines ICD-Kodes nicht einheitlich, sondern Basis-DRG-abhängig?

Der CCL-Wert spiegelt wider, wie stark eine Nebendiagnose die Kosten innerhalb einer spezifischen Fallgruppe erhöht. Eine Hypertonie verursacht bei einem kardiologischen Fall weniger Mehraufwand als bei einem orthopädischen Eingriff. Deshalb berechnet das InEK die CCL-Werte getrennt für jede Basis-DRG auf Basis der realen Kostendaten der Kalkulationsstichprobe.

Welche Nebendiagnosen haben typischerweise hohe CCL-Werte?

Diagnosen mit hohem CCL-Wert sind in der Regel solche, die intensiven Zusatzaufwand verursachen: dialysepflichtige Niereninsuffizienz, beatmungspflichtige respiratorische Insuffizienz, dekompensierte Herzinsuffizienz als Nebendiagnose, Sepsis oder schwere Gerinnungsstörungen. Welche Kodes in welchen Basis-DRGs hohe CCL-Werte tragen, ist im jährlich aktualisierten InEK-Definitionshandbuch nachzuschlagen.

Kann eine fehlende Nebendiagnose zu einem niedrigeren Erlös führen?

Ja. Wird eine relevante Nebendiagnose nicht dokumentiert und nicht kodiert, fehlt ihr CCL-Beitrag in der PCCL-Berechnung. Das kann dazu führen, dass der Gesamt-PCCL eine Schwelle nicht erreicht und der Fall einem niedrigeren DRG-Schweregrad zugeordnet wird. Dieser Erlösverlust lässt sich nur durch vollständige klinische Dokumentation und korrekte Kodierung aller behandlungsrelevanten Nebendiagnosen vermeiden.

Quellenverzeichnis

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). (2025). aG-DRG-System 2026 – Definitionshandbuch, Band 1: Allgemeine und spezielle Kodierhinweise sowie CCL-Matrix. g-drg.de. https://www.g-drg.de/ag-drg-system-2026/definitionshandbuch

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). (2025). aG-DRG-System 2026 – Fallpauschalen-Katalog. g-drg.de. https://www.g-drg.de/ag-drg-system-2026/fallpauschalen-katalog/fallpauschalen-katalog-2026

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM