Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

PCCL – Patient Clinical Complexity Level

PCCL (Patient Clinical Complexity Level)

Der PCCL (Patient Clinical Complexity Level, deutsch: Patientenbezogener Gesamtschweregrad) ist eine aggregierte Kennzahl, die aus den CCL-Werten aller kodierten Nebendiagnosen eines Behandlungsfalls berechnet wird und den kumulierten klinischen Schweregradeinfluss aller Nebendiagnosen auf den Fall abbildet. Der PCCL kann Werte zwischen 0 und 6 annehmen und bestimmt gemeinsam mit der Hauptdiagnose, der Partition und dem Patientenalter, welche endständige DRG-Schweregradausprägung ein Fall im Grouper-Algorithmus erhält (InEK, Definitionshandbuch aG-DRG 2026).

Berechnung

Der PCCL wird nicht durch einfache Addition der CCL-Werte berechnet, sondern nach einer mathematischen Formel, die eine Übergewichtung einzelner hoher CCL-Werte verhindert. Die Formel lautet:

PCCL = 1 – ∏ (1 – CCLᵢ / 6)

Dabei steht ∏ für das Produkt über alle kodierten Nebendiagnosen i mit CCL > 0, und der Wert jedes CCLᵢ wird als Bruchteil von 6 (dem Maximalwert) eingesetzt. Das Ergebnis wird anschließend mit 6 multipliziert und kaufmännisch gerundet. Durch diese multiplikative Aggregation steigt der PCCL mit jeder zusätzlichen Nebendiagnose mit CCL > 0, nähert sich aber asymptotisch dem Maximalwert 6 an – eine einzelne sehr schwere Nebendiagnose kann den PCCL auf 4 heben, für Werte von 5 oder 6 sind mehrere schwere Nebendiagnosen erforderlich.

Ein konkretes Beispiel: Ein Herzinsuffizienz-Patient hat drei Nebendiagnosen mit CCL-Werten von 1, 2 und 3 in der betreffenden Basis-DRG.

PCCL = 1 – (1 – 1/6) × (1 – 2/6) × (1 – 3/6) = 1 – 0,833 × 0,667 × 0,500 = 1 – 0,278 = 0,722 × 6 = 4,3 → gerundet: PCCL 4.

Hätte der Patient nur die Nebendiagnose mit CCL 1, ergäbe sich: 1 – (1 – 1/6) = 1/6 × 6 = 1,0 → PCCL 1.

[Grafik: PCCL-Berechnung und Einfluss auf die DRG-Schweregradausprägung]

Einfluss auf die DRG-Zuordnung

Der errechnete PCCL-Wert bestimmt, in welche Schweregradausprägung einer Basis-DRG ein Fall eingruppiert wird. Häufig werden vier Schweregrade unterschieden, die mit den Buchstaben A (höchster), B, C und D (niedrigster) gekennzeichnet sind. Dabei gilt nicht jede PCCL-Stufe für jede Basis-DRG gleich: Das Definitionshandbuch legt für jede Basis-DRG eigene PCCL-Schwellenwerte fest. Eine DRG-Ausprägung A kann beispielsweise einen PCCL ≥ 4 erfordern, während Ausprägung B einen PCCL von 2 oder 3 voraussetzt.

Da höhere Schweregradausprägungen regelmäßig höhere Bewertungsrelationen aufweisen, ist der PCCL der zentrale Hebel der Schweregradsteuerung im DRG-System. Vollständige und korrekte Kodierung aller relevanten Nebendiagnosen ist daher unmittelbar erlösrelevant.

Das PKM vermittelt die PCCL-Systematik und ihre Kodierimplikationen in der Weiterbildung zur medizinischen Kodierfachkraft (IHK), im DRG+ Praxisworkshop und im DRG-Update.

FAQ

Warum werden CCL-Werte nicht einfach addiert?

Die multiplikative Formel verhindert, dass ein Fall mit vielen leichten Nebendiagnosen denselben PCCL erreicht wie ein Fall mit wenigen schweren. Durch die Produktformel wird der marginale Beitrag jeder weiteren Nebendiagnose kleiner, je höher der PCCL bereits ist. Das Ergebnis bildet die klinische Realität besser ab: Zehn leichte Komorbiditäten sind nicht gleichbedeutend mit einer sehr schweren Erkrankung.

Haben alle Nebendiagnosen mit CCL 0 keinen Einfluss auf den PCCL?

Korrekt. Nebendiagnosen mit CCL 0 in der betreffenden Basis-DRG fließen nicht in die PCCL-Berechnung ein und haben keinen Einfluss auf die Schweregradausprägung. Sie können dennoch klinisch dokumentiert und kodiert werden, sofern die Kodiervoraussetzungen nach DKR D003 erfüllt sind.

Kann der PCCL durch Hinzufügen einer einzigen Nebendiagnose eine Schweregradgrenze überschreiten?

Ja. In der Praxis ist dies ein häufiges Szenario bei der Kodierrevision: Eine bisher nicht kodierte Nebendiagnose mit hohem CCL-Wert kann den PCCL um eine oder mehrere Stufen anheben und damit die Zuordnung zu einer höherwertigen DRG-Ausprägung ermöglichen. Voraussetzung ist stets, dass die Nebendiagnose tatsächlich behandlungsrelevant war und die Dokumentation im Krankenblatt vorliegt.

Quellenverzeichnis

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). (2025). aG-DRG-System 2026 – Definitionshandbuch, Band 1: PCCL-Formel und Schweregradbewertung. g-drg.de. https://www.g-drg.de/ag-drg-system-2026/definitionshandbuch

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). (2025). aG-DRG-System 2026 – Fallpauschalen-Katalog. g-drg.de. https://www.g-drg.de/ag-drg-system-2026/fallpauschalen-katalog/fallpauschalen-katalog-2026

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM