Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Mortalität

Mortalität (Sterblichkeitsrate)

Mortalität bezeichnet in der Epidemiologie die Häufigkeit von Todesfällen in einer definierten Bevölkerungsgruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sie wird als Mortalitätsrate ausgedrückt und gibt an, wie viele Personen je 100.000 Einwohner (oder je 1.000 Einwohner) innerhalb eines Jahres sterben. In Deutschland sind die amtliche Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts sowie die Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts (RKI) die maßgeblichen Primärquellen für Mortalitätsdaten (Statistisches Bundesamt, Todesursachenstatistik).

Abgrenzung und epidemiologische Kennzahlen

Die Mortalität ist von der Morbidität (Krankheitshäufigkeit) zu unterscheiden: Morbidität beschreibt das Ausmaß des Erkrankungsgeschehens in einer Population, Mortalität beschreibt das Sterbegeschehen. Beide Größen sind eng miteinander verknüpft, da viele Erkrankungen letztlich zum Tod führen können, aber nicht jede Erkrankung die Mortalität beeinflusst.

Innerhalb des Mortalitätsbegriffs werden mehrere Kennzahlen unterschieden. Die Rohe Mortalitätsrate (Crude Mortality Rate) erfasst alle Todesfälle einer Bevölkerung je Zeiteinheit, ohne nach Alter oder Geschlecht zu differenzieren. Die altersstandardisierte Mortalitätsrate korrigiert diesen Wert um die Altersstruktur der Bevölkerung und ermöglicht damit Vergleiche zwischen Populationen mit unterschiedlichem Altersaufbau. Die ursachenspezifische Mortalität (Cause-Specific Mortality Rate) bezieht sich auf Todesfälle, die auf eine bestimmte Erkrankung oder Ursache zurückzuführen sind, etwa Herz-Kreislauf-Mortalität oder Krebsmortalität. Die Krankenhausletalität (In-Hospital Mortality) gibt den Anteil der Patienten an, die während eines stationären Krankenhausaufenthalts versterben, und ist eine qualitätsrelevante Kennzahl für einzelne Einrichtungen und Fallgruppen.

Relevanz im deutschen Gesundheitssystem

Mortalitätsdaten fließen in mehrere Steuerungs- und Qualitätssicherungssysteme ein. Das IQTIG nutzt krankenhausbezogene Mortalitätsdaten als Qualitätsindikatoren im Rahmen der externen Qualitätssicherung nach § 136 SGB V, beispielsweise in den QS-Verfahren zur Herzchirurgie oder zur Versorgung von Schlaganfallpatienten. Der G-BA kann bei auffällig hohen krankenhausspezifischen Mortalitätsraten im Rahmen des Strukturierten Qualitätsdialogs nach § 137 SGB V Qualitätssicherungsmaßnahmen einleiten.

Im aG-DRG-System wird die Mortalität nicht unmittelbar vergütet, beeinflusst aber indirekt die Erlösstruktur: Fälle, die mit Tod als Entlassungsgrund abgerechnet werden, haben in manchen DRGs andere Grenzverweildauern als Überlebende und können in bestimmten Konstellationen besondere Kodierkonstellationen nach den Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) erfordern.

In der Gesundheitspolitik gilt die Mortalität als Outcomemaß für die Versorgungsqualität und die Effektivität von Präventionsmaßnahmen. Das RKI veröffentlicht jährlich aktualisierte Mortalitätsdaten differenziert nach Todesursachen, Altersgruppen und Regionen in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (gbe-bund.de).

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Mortalität und Letalität?

Die Mortalität bezieht sich auf die Anzahl der Todesfälle in der Gesamtbevölkerung oder einer definierten Bevölkerungsgruppe. Die Letalität (Case Fatality Rate) hingegen bezieht die Todesfälle auf die Zahl der an einer bestimmten Krankheit Erkrankten und gibt damit an, wie viele Erkrankte an dieser spezifischen Erkrankung sterben. Eine Erkrankung kann eine hohe Letalität, aber eine niedrige Mortalität haben – etwa wenn sie selten vorkommt.

Wie wird Krankenhausmortalität als Qualitätsindikator genutzt?

Das IQTIG berechnet für bestimmte QS-Verfahren die erwartete und beobachtete Krankenhausmortalität je Einrichtung. Weicht die beobachtete Mortalität signifikant von der nach Risikoprofil der Patienten erwarteten Mortalität ab, wird das Krankenhaus in einen Strukturierten Qualitätsdialog einbezogen. Ziel ist es, echte Qualitätsdefizite von Fallmix- oder Dokumentationseffekten zu unterscheiden.

Welche Todesursachen haben in Deutschland die höchste Mortalitätsrate?

Laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland und verantworten rund ein Drittel aller Sterbefälle, gefolgt von Krebserkrankungen. Das RKI und Destatis veröffentlichen diese Daten jährlich differenziert nach ICD-10-Todesursachen auf destatis.de.

Quellenverzeichnis

Statistisches Bundesamt (Destatis). (o. D.). Todesursachenstatistik – Sterbefälle nach Todesursachen in Deutschland. destatis.de. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Mortalitätsdaten und Todesursachen. gbe-bund.de. https://www.gbe-bund.de

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 136 SGB V – Richtlinien und Beschlüsse zur Qualitätssicherung. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__136.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM