Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Kodierratgeber/Kodierleitfaden

Kodierratgeber

Ein Kodierratgeber ist ein nicht verbindliches Nachschlagewerk – in gedruckter oder digitaler Form – das Kodierfachkräfte und Medizincontroller bei der fallbezogenen Verschlüsselung von Diagnosen nach ICD-10-GM und Prozeduren nach OPS unterstützt. Kodierratgeber entfalten keinen normativen Charakter: Die einzig rechtlich verbindliche Grundlage für die Kodierung im deutschen aG-DRG-System sind die jährlich aktualisierten Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) des InEK.

Inhalt und Funktion

Kodierratgeber ergänzen die DKR mit praxisorientierten Erläuterungen, Fallbeispielen, Kodierempfehlungen für häufige Diagnosen und Behandlungskonstellationen sowie übersichtlichen Darstellungen von ICD- und OPS-Systematiken. Sie sind oft nach medizinischen Fachbereichen gegliedert – etwa Kardiologie, Intensivmedizin, Orthopädie oder Psychiatrie – und ermöglichen es, fachspezifische Kodierkonstellationen gezielt nachzuschlagen, ohne die gesamte DKR zu konsultieren.

Typische Inhalte eines Kodierratgebers sind Kodierbeispiele für häufige Fallkonstellationen, Hinweise zu DRG-relevanten Nebendiagnosen und deren CCL-Werten, Übersichten zu fachspezifischen OPS-Kodes und ihren Abrechnungsvoraussetzungen sowie Hinweise auf aktuelle Änderungen in ICD-10-GM, OPS und DKR gegenüber dem Vorjahr. Gute Kodierratgeber benennen dabei explizit, wenn ihre Empfehlung von der offiziellen DKR-Regelung abweicht oder einen Interpretationsspielraum darstellt.

Verbindlichkeit und Abgrenzung zur DKR

Die wichtigste Einschränkung bei der Nutzung von Kodierratgebern ist ihr fehlender normativer Status. Im Fall einer MD-Prüfung oder eines Rechtsstreits ist ausschließlich die DKR maßgeblich; eine Kodierung, die sich auf einen Kodierratgeber stützt, aber der DKR widerspricht, ist angreifbar. Kodierfachkräfte sollten Empfehlungen aus Kodierratgebern daher stets mit der aktuellen DKR abgleichen und bei Unsicherheiten die Primärquelle konsultieren.

Kodierratgeber werden von verschiedenen Anbietern herausgegeben: Fachgesellschaften, Fachverlagen, klinischen Informationsdiensten sowie von Medizincontrolling-Dienstleistern. Einige Krankenhäuser erstellen hauseigene Kodierratgeber für spezifische Fachabteilungen, um eine einheitliche Kodierpraxis sicherzustellen. Diese gelten intern als Orientierungshilfe, ersetzen jedoch ebenfalls nicht die DKR als verbindliche Grundlage.

Das PKM bereitet die jährlichen DKR-Änderungen und fachspezifischen Kodierkonstellationen praxisnah in den fachbereichsbezogenen E-Learnings auf – etwa Kodierung Intensivmedizin, Kodierung Kardiologie oder Kodierung Orthopädie & Endoprothetik – und bietet mit dem DRG+ Praxisworkshop einen monatlichen Austausch zu komplexen Kodierkonstellationen.

FAQ

Kann ich mich im MD-Verfahren auf einen Kodierratgeber berufen?

Nein. Im Prüfverfahren durch den Medizinischen Dienst ist ausschließlich die DKR als verbindliche Kodiergrundlage anerkannt. Kodierratgeber können intern als Arbeitshilfe dienen, aber im Streitfall keine rechtliche Grundlage für eine Kodierentscheidung liefern.

Wie oft werden Kodierratgeber aktualisiert?

Seriöse Kodierratgeber werden jährlich zum DRG-Jahreswechsel aktualisiert, da ICD-10-GM, OPS und DKR jeweils zum 1. Januar eines neuen Jahres in neuen Versionen in Kraft treten. Die Nutzung veralteter Kodierratgeber birgt das Risiko, Kodes zu verwenden, die im laufenden Jahr geändert, umgegliedert oder gestrichen wurden.

Gibt es offizielle Kodierratgeber des InEK oder der DKG?

Das InEK veröffentlicht selbst keine Kodierratgeber, sondern ausschließlich die primären Quellen: DKR, Definitionshandbuch, OPS-Katalog und Fallpauschalen-Katalog. Kodierempfehlungen der SEG-4 (Fachgruppe der MD-Gemeinschaft) haben einen höheren Verbindlichkeitsgrad als private Kodierratgeber, da sie in Abstimmung mit dem Medizinischen Dienst erstellt werden, sind aber ebenfalls nicht rechtlich bindend.

Quellenverzeichnis

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) & Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). (2025, 20. November). Deutsche Kodierrichtlinien Version 2026 – maßgebliche Grundlage für die Kodierung im aG-DRG-System. g-drg.de. https://www.g-drg.de/content/download/17438/file/Deutsche_Kodierrichtlinien_Version_2026_251120.pdf

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). ICD-10-GM Version 2026 – Systematisches Verzeichnis. klassifikationen.bfarm.de. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/index.htm

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM