Glossar
Primär- und Sekundärkodes (Kreuz-Stern-System)
Primär- und Sekundärkodes (Kreuz-Stern-System)
Primär- und Sekundärkodes sind das Kodierprinzip der ICD-10-GM, mit dem eine Erkrankung und ihre Organmanifestation getrennt verschlüsselt werden. Das sogenannte Kreuz-Stern-System ordnet dem Primärkode (†) die Grunderkrankung und dem Sekundärkode (*) die Manifestation zu.
Die Diagnoseverschlüsselung nach der ICD-10-GM (International Statistical Classification of Diseases, German Modification) ist bei der Abrechnung nach § 295 SGB V gesetzlich vorgeschrieben. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das die Klassifikation jährlich aktualisiert. Für bestimmte Krankheitsbilder reicht ein einzelner Kode nicht aus, weil Grunderkrankung und betroffenes Organ getrennt darzustellen sind. Hier greift das Kreuz-Stern-System.
Der Primärkode (Kreuz, †) bezeichnet die ursächliche Grunderkrankung, die Ätiologie. Der Sekundärkode (Stern, *) bezeichnet die daraus folgende Manifestation an einem Organ oder System. Beide gehören zusammen und werden gemeinsam angegeben. Ein Sternkode darf dabei nie allein stehen – er setzt immer einen zugehörigen Kreuzkode voraus. Ein klassisches Beispiel ist die diabetische Retinopathie: Der Diabetes mellitus wird als Primärkode (†) verschlüsselt, die Netzhautbeteiligung als Sekundärkode (*). Ergänzend kennt die ICD-10-GM Ausrufezeichen-Kodes (!) für zusätzliche Sachverhalte, die weder Kreuz noch Stern sind.
Im ambulanten Bereich ist zu jedem Kode ein Zusatzkennzeichen für die Diagnosensicherheit anzugeben (A, G, V oder Z). Im stationären Bereich sind diese Kennzeichen dagegen nicht zulässig – ein häufiger Fehler beim Wechsel zwischen den Sektoren.
Verwandte Begriffe sind die ICD-10-GM, die ambulante Kodierung und das Zusatzkennzeichen für die Diagnosensicherheit.
Die Systematik der Diagnoseverschlüsselung ist Kern der Weiterbildung zur Medizinischen Kodierfachkraft (IHK) – Kompakt.
FAQ
Darf ein Sternkode allein angegeben werden?
Nein. Der Sekundärkode (Stern) beschreibt eine Manifestation und ist ohne den zugehörigen Primärkode (Kreuz) nicht sinnvoll. Beide müssen gemeinsam kodiert werden, damit Grunderkrankung und Organbeteiligung vollständig abgebildet sind.
Gilt das Kreuz-Stern-System auch im Krankenhaus?
Ja, das Kreuz-Stern-Prinzip der ICD-10-GM gilt in beiden Sektoren. Der Unterschied liegt bei den Zusatzkennzeichen: Die Diagnosesicherheits-Kennzeichen (A, G, V, Z) sind nur ambulant obligatorisch und stationär nicht zulässig.
Quellenverzeichnis
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2025). ICD-10-GM – Systematisches Verzeichnis. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-GM/_node.html
Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch. § 295 Abrechnung ärztlicher Leistungen. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__295.html
Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Leitender ärztlicher Medizincontroller, PKM
