Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Beatmungszeit nach DKR

Beatmungsdauer (Abrechnung nach DKR 1001)

Die Beatmungsdauer im Abrechnungssinn bezeichnet die nach den Regeln der Deutschen Kodierrichtlinien (DKR), Kapitel DKR 1001, berechnete Beatmungszeit, die als Grundlage für die OPS-Kodierung und damit für die DRG-Zuordnung gilt. Sie weicht regelhaft von der klinisch tatsächlich geleisteten Beatmungszeit ab: Nicht jede reale Beatmungsstunde zählt, und umgekehrt werden unter bestimmten Voraussetzungen auch Zeiträume einbezogen, in denen der Patient spontan atmet.

Die 6-mbar-Regelung

Ausgangspunkt der Berechnung ist eine technische Mindestanforderung: Für die Berechnung von Beatmungsstunden bei Patienten, die das 6. Lebensjahr vollendet haben, sind nach DKR 1001 nur Verfahren heranzuziehen, bei denen bei positiver Druckbeatmung eine Druckdifferenz zwischen Inspiration und Exspiration von mindestens 6 mbar besteht (DKR 1001, InEK/DKG 2026). Beatmungsverfahren, die diese Druckdifferenz nicht erreichen, zum Beispiel High-Flow-Sauerstofftherapie (HNFC) unterhalb dieser Schwelle, zählen bei Patienten ab dem vollendeten 6. Lebensjahr nicht zur abrechnungsrelevanten Beatmungszeit. Für Neugeborene und Säuglinge bis zum vollendeten 1. Lebensjahr gelten abweichende Regelungen (DKR 1001, Sonderregel Neugeborene).

Die Folge: Gerade bei der nicht invasiven Beatmung über Maskensysteme mit niedrigen Druckeinstellungen oder während der Beatmungsentwöhnung kann ein erheblicher Teil der klinisch erbrachten Beatmungszeit abrechnungstechnisch nicht berücksichtigt werden.

Die 8-Stunden-Regel und beatmungsfreie Intervalle

Das zweite zentrale Element der Berechnungslogik betrifft den Umgang mit beatmungsfreien Zeiten: Liegen die qualifizierenden Beatmungsstunden pro Kalendertag bei 8 Stunden oder mehr, werden 24 Beatmungsstunden für diesen Kalendertag berechnet – beatmungsfreie Intervalle inklusive, unabhängig davon, ob sich der Patient bereits in der Entwöhnung befindet (DKR 1001, InEK/DKG 2026).

Das bedeutet: Ein Patient, der an einem Kalendertag 10 Stunden beatmet und 14 Stunden spontan atmet, erzeugt nach DKR 1001 trotzdem 24 abrechnungsrelevante Beatmungsstunden. Am Aufnahmetag und am Entlassungs- oder Verlegungstag werden dagegen nur die tatsächlich erbrachten Beatmungsstunden gezählt. Die ermittelte Gesamtbeatmungszeit wird am Ende des Aufenthalts auf die nächste volle Stunde aufgerundet.

Erlösrelevanz und Prüfrisiko

Die korrekte Ermittlung der Beatmungsdauer nach DKR 1001 ist unmittelbar erlösrelevant: Bestimmte Stundenschwellen (24, 95, 168, 263 Stunden) lösen unterschiedliche OPS-Kodes aus der Gruppe 8-71 (BfArM OPS 2026) aus und können den Fall in eine völlig andere DRG verschieben. Ein einzelner Stundenfehler nahe einer Schwelle kann zu erheblichen Erlössprüngen führen. Gleichzeitig ist die Beatmungsdauer ein häufiger Prüfgegenstand des Medizinischen Dienstes (MD): Werden Beatmungsstunden dokumentiert, die die 6-mbar-Anforderung nicht erfüllen oder bei denen die 8-Stunden-Regel fehlerhaft angewendet wurde, droht eine Rückforderung.

Das PKM bietet mit dem E-Learning Kodierung Beatmung eine praxisnahe Schulung, die die Berechnung der Beatmungsdauer nach DKR 1001, OPS-Übersichten, Zusatzentgelt Weaning sowie Kodierempfehlungen und relevante Gerichtsurteile zu komplexen Fallkonstellationen abdeckt.

FAQ

Warum kann die DKR-Beatmungszeit höher sein als die klinisch tatsächliche Beatmungszeit?

Weil beatmungsfreie Intervalle an Tagen mit mindestens 8 qualifizierenden Beatmungsstunden vollständig mitgezählt werden. Ein Patient, der an einem Kalendertag 10 Stunden beatmet und 14 Stunden spontan atmet, erzeugt nach DKR 1001 trotzdem 24 abrechnungsrelevante Beatmungsstunden.

Gilt die 6-mbar-Regel auch für High-Flow-Therapie?

High-Flow-Nasenkanüle (HNFC) erzeugt in der Regel keine Druckdifferenz von 6 mbar zwischen Inspiration und Exspiration. Bei Patienten ab dem vollendeten 6. Lebensjahr zählen diese Stunden daher nicht zur abrechnungsrelevanten Beatmungszeit nach DKR 1001. Eine Ausnahme gilt für Neugeborene und Säuglinge bis zum vollendeten 1. Lebensjahr.

Was passiert, wenn die Beatmungsdokumentation lückenhaft ist und eine OPS-Schwelle knapp verfehlt wird?

Liegt die dokumentierte Beatmungszeit knapp unter einer relevanten Stundenschwelle, kann das Krankenhaus die höhere OPS-Stufe nicht kodieren. Kodierfachkräfte sollten daher gemeinsam mit dem Pflegepersonal die Beatmungsprotokolle auf Vollständigkeit prüfen, insbesondere bezüglich der Druckeinstellungen und der minutengenauen Start- und Endzeiten.

Quellenverzeichnis

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) & Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). (2025, November). Deutsche Kodierrichtlinien Version 2026 – DKR 1001 Maschinelle Beatmung. dkgev.de. https://www.dkgev.de/fileadmin/Mediapool/2_Themen/2.4._Medizin_und_Wissenschaft/2.4.2._Medizinische_Klassifikationen/2.4.2.3._Kodierrichtlinien/Deutsche_Kodierrichtlinien_Version_2026_251120.pdf

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2025). OPS Version 2026 – Gruppe 8-71: Maschinelle Beatmung und Beatmungsentwöhnung. klassifikationen.bfarm.de. https://klassifikationen.bfarm.de/ops/kode-suche/htmlops2026/block-8-70...8-72.htm

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). (2025). aG-DRG-System 2026 – Fallpauschalen-Katalog. g-drg.de. https://www.g-drg.de/ag-drg-system-2026/fallpauschalen-katalog/fallpauschalen-katalog-2026

Zuletzt aktualisiert: 23.06.2027| Geprüft von: Domink Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM