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EbM – Evidenzbasierte Medizin
Evidenzbasierte Medizin (EbM)
Die evidenzbasierte Medizin (EbM) ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen über die Versorgung eines einzelnen Patienten. Sie verbindet die externe Evidenz aus Studien mit der klinischen Erfahrung der Behandelnden und den Werten und Wünschen des Patienten. Ziel ist eine nachweislich wirksame, individuell passende Versorgung.
Die drei Säulen der EbM
Der auf David Sackett zurückgehende Ansatz ruht auf drei Säulen, die erst zusammen eine gute Entscheidung ergeben: die individuelle klinische Expertise der Ärztin oder des Arztes, die Präferenzen und die Lebenssituation des Patienten sowie die beste verfügbare externe Evidenz aus systematischer Forschung. Die verbreitete Verkürzung, EbM stütze sich allein auf Studiendaten, greift zu kurz. Ärztliche Erfahrung wird nicht ersetzt, sondern mit belastbarer Evidenz und dem Patientenwillen zusammengeführt. In der Praxis läuft dieser Abgleich in fünf Schritten ab: eine klinische Frage formulieren, die Evidenz suchen, sie kritisch bewerten, das Ergebnis auf den konkreten Fall anwenden und das eigene Vorgehen anschließend überprüfen.
Nicht jede Studie wiegt gleich schwer
Externe Evidenz ist nicht gleich Evidenz. Studientypen werden nach ihrer Aussagekraft in einer Hierarchie geordnet, an deren Spitze systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen stehen und an deren unterem Ende die reine Expertenmeinung. Diese Rangordnung ist eine Orientierung, kein starres Gesetz: Welches Studiendesign am besten geeignet ist, hängt von der Fragestellung ab, sodass ein randomisierter Vergleich nicht für jede Frage das passende Format ist. Die übliche Stufung zeigt die folgende Übersicht.

Bedeutung im deutschen Gesundheitswesen
In Deutschland wurde die EbM maßgeblich durch das im Jahr 2000 gegründete Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin verankert. Sie bildet heute die methodische Grundlage mehrerer zentraler Institutionen und Verfahren: Die medizinischen Fachgesellschaften stützen ihre Leitlinien über die AWMF auf systematisch aufbereitete Evidenz, und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bewertet seit 2004 auf dieser Basis den Nutzen von Arzneimitteln und Behandlungsmethoden. Damit wirkt die EbM bis in Erstattungsentscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses und in die Ausgestaltung strukturierter Behandlungsprogramme hinein.
Wer die Anwendung von Evidenz in der Nutzenbewertung und im Marktzugang vertiefen möchte, findet beim PKM die Weiterbildungen Market Access Manager – Reimbursement Pharma und Market Access Manager – Reimbursement MedTech.
FAQ
Bedeutet EbM, dass ärztliche Erfahrung nichts mehr zählt?
Nein. Die klinische Expertise ist eine der drei tragenden Säulen der EbM. Ohne sie lässt sich weder die passende Frage stellen noch die Evidenz sinnvoll auf den einzelnen Patienten übertragen. EbM ergänzt die ärztliche Erfahrung um belastbare Daten und den Patientenwillen, statt sie zu verdrängen.
Was unterscheidet EbM von einer Leitlinie?
EbM ist die Methodik, eine Leitlinie das Ergebnis ihrer Anwendung auf eine bestimmte Fragestellung. Leitlinien der AWMF fassen die verfügbare Evidenz zusammen und übersetzen sie in konkrete Handlungsempfehlungen. Eine hochwertige S3-Leitlinie ist dabei sowohl evidenz- als auch konsensbasiert.
Welche Rolle spielt EbM bei Erstattungsentscheidungen?
Ob eine neue Methode oder ein Arzneimittel von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird, hängt am Nachweis des Nutzens. Das IQWiG prüft diesen Nutzen nach den Regeln der EbM, und der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet auf dieser Grundlage. Fehlt belastbare Evidenz, fällt eine positive Entscheidung schwer.
Quellenverzeichnis
Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. (o. D.). Was ist evidenzbasierte Medizin? ebm-netzwerk.de. https://www.ebm-netzwerk.de/de/medizin/ebm-grundbegriffe
Cochrane Deutschland. (o. D.). Evidenzbasierte Medizin. cochrane.de. https://www.cochrane.de/ueber-uns/evidenzbasierte-medizin
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. (o. D.). Das AWMF-Regelwerk Leitlinien. awmf.org. https://www.awmf.org/regelwerk
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. (o. D.). Methoden der Nutzenbewertung auf Grundlage der evidenzbasierten Medizin. iqwig.de. https://www.iqwig.de/methoden/
Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM
