Glossar
Big Data
Big Data
Big Data bezeichnet im Gesundheitswesen die Erfassung, Verknüpfung und Auswertung sehr großer, heterogener Datensätze aus unterschiedlichen Quellen der medizinischen Versorgung, die mit herkömmlichen Datenbankmethoden nicht effizient verarbeitet werden können. Im deutschen Kontext umfasst Big Data im Gesundheitswesen unter anderem Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen, klinische Routinedaten aus Krankenhausinformationssystemen, Daten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) sowie Forschungsdaten aus klinischen Studien.
Charakteristika und Abgrenzung
Big Data wird in der Informatik durch die sogenannten „drei Vs" beschrieben: Volume (Datenmenge), Velocity (Geschwindigkeit der Datenentstehung) und Variety (Vielfalt der Datentypen). Im Gesundheitswesen kommen zwei weitere Dimensionen hinzu: Veracity (Datenqualität und -zuverlässigkeit) sowie Value (klinischer oder wissenschaftlicher Nutzen). Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert, wird aber als analytisches Konzept in einer Vielzahl gesundheitspolitischer Dokumente und Gesetzesbegründungen verwendet.
Für Medizincontroller und Klinikmanager ist Big Data weniger als technisches Konzept relevant, sondern als Grundlage für datengetriebene Entscheidungen in Versorgungsplanung, Erlössicherung und Qualitätssicherung.
Rechtsrahmen in Deutschland
Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen umfangreichen gesetzlichen Rahmen für die Nutzung von Gesundheitsdaten geschaffen. Das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG) vom 22. März 2024 novellierte die §§ 303a ff. SGB V und stärkte den Datenzugang für Forschung und Versorgungsplanung erheblich. Die Aufgaben der Datentransparenz werden von öffentlichen Stellen des Bundes als Vertrauensstelle nach § 303c und als Forschungsdatenzentrum nach § 303d sowie vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen als Datensammelstelle wahrgenommen. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ), das beim BfArM angesiedelt ist, stellt pseudonymisierte GKV-Abrechnungsdaten für zugelassene Nutzungszwecke zur Verfügung. Zu den zulässigen Nutzungszwecken gehören unter anderem die Verbesserung der Qualität der Versorgung sowie Verbesserung der Sicherheitsstandards der Prävention, Versorgung und Pflege sowie die Planung von Leistungsressourcen, zum Beispiel Krankenhausplanung.
Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) wurde ab 2025 zudem die verpflichtende Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle GKV-Versicherten umgesetzt. Die ePA-Daten sollen nach einem Opt-out-Verfahren für Forschungszwecke nutzbar sein und so die Datenbasis für Big-Data-Analysen erheblich erweitern.
Anwendungsfelder im Krankenhaus
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Krankenhaus analysiert seine DRG-Abrechnungsdaten der vergangenen fünf Jahre und stellt fest, dass Patienten mit einer bestimmten Nebendiagnose-Kombination signifikant häufiger Komplikationen entwickeln und damit unplanmäßig länger stationär verweilen. Auf Basis dieser Analyse kann das Krankenhaus einen angepassten Behandlungspfad entwickeln, der gezielte Präventionsmaßnahmen bei dieser Patientengruppe vorsieht und damit sowohl die Versorgungsqualität verbessert als auch Erlösausfälle durch verlängerte Verweildauern reduziert.
Weitere Anwendungsfelder im Krankenhausbereich sind die Vorhersage von Bettenbelegungsraten für die Kapazitätsplanung, die frühzeitige Erkennung von Sepsis-Risikopatienten durch Analyse von Vitalparameter-Verläufen sowie die Optimierung von Einkauf und Logistik durch Verbrauchsanalysen.
Für Medizininformatiker und Klinikmanager, die sich mit dem Einsatz von Datenanalysen und KI im Krankenhaus befassen, bietet das PKM die Weiterbildung zum Medizininformatiker (IHK).
FAQ
Wer darf in Deutschland auf GKV-Abrechnungsdaten für Forschungszwecke zugreifen?
Nutzungsberechtigt sind natürliche und juristische Personen im Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2016/679, soweit diese nach § 303e Abs. 2 SGB V zur Verarbeitung der Daten berechtigt sind. Dazu gehören wissenschaftliche Einrichtungen, Krankenkassen, der G-BA und das IQWiG. Die Daten werden ausschließlich pseudonymisiert und aggregiert herausgegeben; eine Nutzung zur Entscheidung über individuelle Versicherungsverträge ist ausdrücklich verboten. Pk-management
Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärdaten im Gesundheitswesen?
Primärdaten werden gezielt für einen Forschungszweck erhoben, zum Beispiel in klinischen Studien. Sekundärdaten entstehen als Nebenprodukt der Versorgung, etwa Abrechnungsdaten, Laborbefunde oder Pflegedokumentationen. Big Data im Gesundheitswesen basiert überwiegend auf Sekundärdaten, deren Stärke die große Fallzahl ist, während ihre Schwäche in möglichen Vollständigkeits- und Qualitätsmängeln liegt.
Welche datenschutzrechtlichen Anforderungen gelten für Big-Data-Analysen im Krankenhaus?
Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO besonders schutzbedürftige Daten. Für die Verarbeitung gelten strenge Anforderungen: Zweckbindung, Datensparsamkeit und technisch-organisatorische Schutzmaßnahmen. Krankenhäuser müssen für jede Analyse eine Rechtsgrundlage nach DSGVO und SGB V nachweisen und in der Regel eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen.
Quellenverzeichnis
Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 303a SGB V – Wahrnehmung der Aufgaben der Datentransparenz; Verordnungsermächtigung. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__303a.html
Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 303e SGB V – Datenverarbeitung. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__303e.html
Bundesministerium für Gesundheit. (2024, 22. März). Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG). bundesgesundheitsministerium.de. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gesetz-zur-verbesserten-nutzung-von-gesundheitsdaten-gdng
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (o. D.). Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ). fdz.bfarm.de. https://www.fdz.bfarm.de
Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM
