Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Robert-Koch-Institut

Robert Koch-Institut (RKI)

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) mit Sitz in Berlin. Es wurde 1891 auf Initiative von Robert Koch gegründet, dem deutschen Mikrobiologen und Nobelpreisträger, der unter anderem den Tuberkuloseerreger entdeckte. Das RKI ist die zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Bundesregierung für anwendungsorientierte Forschung und wissenschaftliche Infrastruktur in Public Health, Biomedizin und Gesundheitsberichterstattung (rki.de).

Aufgaben und Rechtsgrundlage

Die Aufgaben des RKI sind im Bundesseuchengesetz und im Infektionsschutzgesetz (IfSG) sowie im Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst verankert. Das RKI nimmt nach § 4 IfSG Aufgaben zur Vorbeugung übertragbarer Krankheiten sowie zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Infektionen wahr. Es erstellt auf Basis der nach §§ 6 ff. IfSG meldepflichtigen Erkrankungen wöchentliche Lageberichte und veröffentlicht epidemiologische Bulletins als primäre Informationsquelle für den öffentlichen Gesundheitsdienst.

Neben der Infektionsepidemiologie hat das RKI sein Mandat erheblich ausgeweitet. Es koordiniert die Gesundheitsberichterstattung des Bundes auf gbe-bund.de, führt große Bevölkerungsstudien wie die GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell) und KiGGS durch und veröffentlicht Daten zu Morbidität, Mortalität und Prävalenz chronischer und nichtübertragbarer Erkrankungen. Das RKI ist damit die wichtigste Primärquelle für epidemiologische Kennzahlen im deutschen Gesundheitswesen.

Nationale Referenzzentren und Konsiliarlaboratorien

Das RKI koordiniert ein Netz von Nationalen Referenzzentren (NRZ) und Konsiliarlaboratorien, die an Universitätskliniken und anderen Einrichtungen angesiedelt sind und spezialisierte Diagnostik, Typisierung und Surveillance für spezifische Erreger übernehmen. Dazu gehören unter anderem das Nationale Referenzzentrum für Influenzaviren, das Nationale Referenzzentrum für Masern, Mumps und Röteln sowie Referenzzentren für multiresistente Erreger. Diese Zentren liefern dem RKI Daten für die nationale und internationale Surveillance.

Bedeutung für das Gesundheitswesen und die Krankenhausversorgung

Für Krankenhäuser und Medizincontroller ist das RKI vor allem über seine Empfehlungen zur Krankenhaushygiene und zu nosokomialen Infektionen relevant. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI gibt Empfehlungen heraus, die zwar nicht formal rechtsverbindlich sind, aber den anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft abbilden und damit haftungsrechtlich maßgeblich sind. Die RKI-Publikationen zur Antibiotikaresistenz (ARS-Datenbank), zur Surveillance nosokomialer Infektionen (KISS-System) und zu Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) – die beim RKI angesiedelt ist – prägen unmittelbar die klinische Praxis in deutschen Krankenhäusern.

Darüber hinaus sind RKI-Morbiditäts- und Prävalenzdaten eine wichtige Grundlage für die Krankenhausplanung der Länder nach § 6 KHG und für die Kalkulation des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) nach § 266 SGB V.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen RKI und BfArM?

Das BfArM ist die zuständige Bundesoberbehörde für die Zulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten sowie für die Herausgabe der medizinischen Klassifikationssysteme (ICD-10-GM, OPS). Das RKI ist die wissenschaftliche Public-Health-Behörde des Bundes mit Schwerpunkten auf Infektionsepidemiologie, Gesundheitsberichterstattung und Surveillance. Beide sind Bundesoberbehörden im Geschäftsbereich des BMG, haben aber klar getrennte Aufgabenbereiche.

Sind die KRINKO-Empfehlungen des RKI rechtsverbindlich?

Nein. Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI sind keine Rechtsnormen. Sie gelten jedoch als kodifizierter Stand der medizinischen Wissenschaft und haben daher erhebliche haftungsrechtliche Bedeutung: Ein Krankenhaus, das nachweislich von KRINKO-Empfehlungen abgewichen ist und bei dem es zu einer nosokomialen Infektion kommt, muss in einem Schadensersatzprozess darlegen, warum die Abweichung medizinisch gerechtfertigt war.

Welche Rolle spielte das RKI während der COVID-19-Pandemie?

Das RKI koordinierte die nationale epidemiologische Surveillance der COVID-19-Pandemie, veröffentlichte tägliche Lageberichte und R-Wert-Berechnungen und beriet die Bundesregierung bei der Vorbereitung der Pandemieschutzmaßnahmen. Es übernahm damit eine koordinierende Rolle im nationalen Krisenmanagement und war zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Informationen zum Infektionsgeschehen in Deutschland.

Quellenverzeichnis

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). Aufgaben und Geschichte des RKI. rki.de. https://www.rki.de/DE/Das-RKI/Das-RKI-node.html

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 4 IfSG – Aufgaben des Robert Koch-Instituts. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__4.html

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. gbe-bund.de. https://www.gbe-bund.de

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO). rki.de. https://www.rki.de/DE/Das-RKI/Kommissionen/KRINKO/krinko_node.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM