Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Glossar

Prävalenz

Prävalenz

Die Prävalenz bezeichnet den Anteil der erkrankten oder von einem bestimmten Gesundheitszustand betroffenen Personen in einer definierten Bevölkerungsgruppe zu einem festgelegten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sie ist eine der zentralen Kennzahlen der Epidemiologie und dient der Beschreibung des Ausmaßes einer Erkrankung in der Bevölkerung. Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, koordiniert durch das Robert Koch-Institut (RKI), veröffentlicht regelmäßig Prävalenzdaten für eine Vielzahl von Erkrankungen differenziert nach Alter, Geschlecht und Region (RKI, Gesundheitsberichterstattung des Bundes).

Arten der Prävalenz und Abgrenzung zur Inzidenz

Die Epidemiologie unterscheidet zwei Formen der Prävalenz. Die Punktprävalenz erfasst den Anteil der Erkrankten zu einem exakt definierten Zeitpunkt, zum Beispiel „Anteil der Diabetespatienten in der deutschen Bevölkerung am 1. Januar 2026". Die Periodenprävalenz erfasst den Anteil der Personen, die innerhalb eines definierten Zeitraums – häufig ein Jahr – erkrankt sind oder waren, unabhängig davon, ob die Erkrankung zu Beginn des Zeitraums bereits bestand oder neu aufgetreten ist.

Die Prävalenz ist von der Inzidenz zu unterscheiden: Die Inzidenz bezeichnet ausschließlich die Anzahl neu aufgetretener Erkrankungen innerhalb eines definierten Zeitraums. Sie ist besonders relevant für die Bewertung von Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen. Die Prävalenz hingegen beschreibt den Gesamtbestand an Erkrankten und ist besonders relevant für die Versorgungsplanung. Zwischen beiden besteht eine mathematische Beziehung: Bei stabiler Prävalenz gilt näherungsweise: Prävalenz ≈ Inzidenz × mittlere Krankheitsdauer.

Bedeutung im deutschen Gesundheitssystem

Prävalenzdaten sind eine unverzichtbare Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen und die Versorgungsplanung. Im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) nach § 266 SGB V fließen Prävalenzschätzungen aus GKV-Abrechnungsdaten in die Berechnung der Zuweisungen an die Krankenkassen ein. Für die Krankenhausplanung der Bundesländer nach § 6 KHG bilden regionalisierte Prävalenzdaten die Grundlage für die Bedarfsermittlung: Wie viele Patienten mit einer bestimmten Erkrankung sind in einer Region zu erwarten und wie viele stationäre Kapazitäten werden benötigt?

Im aG-DRG-System ist die Prävalenz zwar keine direkte Vergütungskenngröße, beeinflusst aber mittelbar den Case-Mix eines Krankenhauses. Ein Krankenhaus in einer Region mit hoher Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen wird strukturell einen anderen Case-Mix-Index (CMI) aufweisen als ein Haus in einer Bevölkerung mit geringerer Erkrankungslast – was bei Benchmarkvergleichen zwischen Häusern zu berücksichtigen ist.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Prävalenz und Morbidität?

Morbidität ist der Oberbegriff für die Krankheitshäufigkeit in einer Population und umfasst sowohl Prävalenz als auch Inzidenz. Die Prävalenz ist eine spezifische Morbidiätskennzahl, die den Bestand an Erkrankten zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitraum beschreibt. Morbidität kann zudem Informationen über Krankheitsschwere und -verlauf einschließen, während Prävalenz ausschließlich den Anteil der Betroffenen misst.

Warum steigt die Prävalenz chronischer Erkrankungen in Deutschland?

Mehrere Faktoren tragen zur steigenden Prävalenz chronischer Erkrankungen bei: der demografische Wandel mit einer alternden Bevölkerung, verbesserte Diagnostik und Früherkennung, die dazu führen, dass mehr Erkrankungen identifiziert werden, sowie therapeutische Fortschritte, die das Überleben mit chronischen Erkrankungen verlängern. Gleichzeitig tragen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen zur Entstehung neuer Fälle bei.

Wie werden Prävalenzdaten in Deutschland erhoben?

Das RKI erhebt bevölkerungsrepräsentative Prävalenzdaten über Gesundheitsbefragungen wie die GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell) und die KiGGS-Kohorte für Kinder und Jugendliche. Ergänzend werden GKV-Abrechnungsdaten über das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) beim BfArM nach § 303e SGB V für Forschungszwecke genutzt. Krankheitsregister – etwa das Krebsregister – liefern besonders präzise Prävalenzdaten für spezifische Erkrankungen.

Quellenverzeichnis

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Prävalenzdaten und Krankheitshäufigkeiten. gbe-bund.de. https://www.gbe-bund.de

Robert Koch-Institut (RKI). (o. D.). GEDA – Gesundheit in Deutschland aktuell: Methodik und Kernergebnisse. rki.de. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Geda/geda_node.html

Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 266 SGB V – Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds (Risikostrukturausgleich). gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__266.html

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM