Glossar
Case Management
Case Management
Case Management bezeichnet ein strukturiertes Versorgungskonzept, bei dem eine verantwortliche Person, die Case Managerin oder der Case Manager, den gesamten Unterstützungs- und Behandlungsprozess einer Klientin oder eines Klienten fallbezogen koordiniert. Die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) definiert Case Management als Handlungskonzept und veröffentlicht als zuständige Fachgesellschaft verbindliche Leitlinien, die für alle Einrichtungen gelten, die das Konzept anwenden (DGCC, Case Management Leitlinien, 2020). Im deutschen Krankenhauswesen hat Case Management seit der DRG-Einführung 2003 besondere Bedeutung gewonnen, weil die Vergütung durch Fallpauschalen einen gezielten Einsatz von Ressourcen entlang des gesamten Behandlungspfads erfordert.
Grundprinzipien und Abgrenzung
Case Management gliedert sich nach dem DGCC-Leitlinienrahmen in sechs Phasen: Aufnahme und Screening, Assessment (umfassende Bedarfserhebung), Versorgungsplanung, Umsetzung und Koordination, Monitoring sowie abschließende Evaluation. Der Begriff ist von verwandten Konzepten abzugrenzen: Beim Entlassungsmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V liegt der Fokus auf der Organisation der Weiterversorgung am Ende des stationären Aufenthalts, während Case Management den gesamten Versorgungsprozess von der Aufnahme bis zur Nachsorge umfasst. Care Management hingegen bezeichnet die strategische Ausgestaltung von Versorgungssystemen auf einer übergeordneten Ebene.
Klinisches Case Management im Krankenhaus
Im Krankenhausbereich wird Case Management als klinisches Case Management bezeichnet und ist auf die spezifischen Anforderungen des stationären Settings ausgerichtet. Ziele aus Sicht der Klinik sind laut DGCC-Positionspapier insbesondere die Einhaltung der DRG-spezifischen Verweildauervorgaben, kurze Wartezeiten sowie eine transparente und zuverlässige Prozessplanung (DGCC Fachgruppe Gesundheit und Pflege, Positionspapier Case Management im Krankenhaus). Der Case Manager kontrolliert die anfallenden Kosten für medizinisch relevante Diagnosen und überwacht die festgelegte Verweildauer für den Fall. Im Organisationsgefüge untersteht er der Krankenhausleitung, ist in seiner fachlichen Tätigkeit aber weisungsungebunden.
Ein konkretes Beispiel: Liegt die mittlere Verweildauer für eine DRG bei sieben Tagen, koordiniert der Case Manager diagnostische und therapeutische Schritte so, dass dieser Korridor eingehalten wird, ohne die Behandlungsqualität zu gefährden. Bei drohendem Überschreiten der oberen Grenzverweildauer leitet er frühzeitig Entlassungsvorbereitungen ein und organisiert die Anschlussversorgung – etwa eine Anschlussrehabilitation (AHB) oder ambulante Weiterbehandlung.
Darüber hinaus unterstützen Case Manager die vollständige Dokumentation aller abrechnungsrelevanten Diagnosen und Prozeduren, koordinieren Angehörige und nachversorgende Einrichtungen und sind zentraler Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten.
Das PKM bietet mit der Weiterbildung zur klinischen Case Managerin (IHK) eine umfassende Qualifikation, die Verweildauersteuerung, DRG-Systematik, Entlassungsmanagement und interprofessionelle Koordination als Kernthemen behandelt.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen klinischem Case Management und Pflegeüberleitung?
Die Pflegeüberleitung fokussiert auf die organisatorische Vorbereitung der Entlassung und die Kommunikation mit nachversorgenden Einrichtungen. Klinisches Case Management umfasst darüber hinaus die gesamte Steuerung des stationären Behandlungspfads von der Aufnahme an, einschließlich Verweildauermonitoring, Diagnostikplanung und interdisziplinärer Koordination.
Welche Qualifikation benötigen Case Manager im Krankenhaus?
Die DGCC empfiehlt als Zulassungskriterien ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung oder alternativ eine abgeschlossene pflegeberufliche Ausbildung mit zweijähriger Berufserfahrung, gefolgt von einer Weiterbildung von circa 210 Stunden (DGCC, Case Management Leitlinien, 2020). Zusätzlich gibt es IHK-zertifizierte Weiterbildungen, die speziell auf die Anforderungen des klinischen Settings ausgerichtet sind.
Wie trägt Case Management zur Erlössicherung bei?
Durch die aktive Verweildauersteuerung hilft Case Management, Langlieger-Abzüge zu vermeiden und gleichzeitig Kurzlieger-Abzüge durch rechtzeitig vorbereitete Entlassungen zu minimieren. Zusätzlich unterstützt es die vollständige Erfassung abrechnungsrelevanter Nebendiagnosen und Prozeduren, was den erzielbaren Schweregrad und damit die Bewertungsrelation positiv beeinflussen kann.
Quellenverzeichnis
Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). (2020). Case Management Leitlinien – Rahmenempfehlungen, Standards und ethische Grundlagen (4. Aufl.). dgcc.de. https://www.dgcc.de/case-management-leitlinien/
Bundesministerium der Justiz. (o. D.). § 39 Abs. 1a SGB V – Krankenhausbehandlung, Entlassmanagement. gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__39.html
Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Geprüft von: Dominik Lindner, Ärztlicher Leiter Medizincontrolling, PKM
